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Freiwilligkeit ist die Karte zum Eintritt

Für Abhängige von Suchtmitteln bietet das Rote Kreuz mehrere Formen des Betreuten Wohnens an

Das Malen und Zeichnen sind nur zwei der vielen Angebote, aus denen die Teilnehmer wählen können. Sind Tipps erwünscht, steht Kunsttherapeutin Sabine Gerhard (Foto) gerne mit Rat und Tat zur Seite. © DRK-Odenwaldkreis/Michael Lang

Ob es Schicksal war oder eigenes Verschulden die Schieflage verursacht hat, ist vollkommen egal. Hilfe braucht keine Gründe.

Daher bieten die pädagogischen Fachkräfte des Roten Kreuzes ihre Unterstützung mit lediglich einer Bedingung an: Die Entscheidung für das Betreute Wohnen muss von den Menschen freiwillig getroffen werden. Nur so können sie wieder reale Perspektiven für eine selbständige und stabile Lebensführung entwickeln. Unter Druck funktioniert dies nicht. Deshalb orientiert sich das Team auch an den Vorstellungen, Wünschen und Bedürfnissen der Bewohner. Diese haben Probleme mit Alkohol, Medikamenten oder Drogen allgemein, stehen unter Leidensdruck und wollen ihre Situation verändern.

Die Begleitung auf dem Weg dahin ist in den eigenen vier Wänden, aber auch in einer betreuten Wohngemeinschaft möglich. Wie sieht dies konkret aus? „Oberstes Ziel ist die Verbesserung der aktuellen Situation unserer Hilfesuchenden“, erläutert Janosch Müller, zuständiger Abteilungsleiter im Team. Aus der breiten Palette der Angebote können die Bewohner den für sie passenden Baustein auswählen. Von der Unterstützung bei der Schuldenregulierung, über die Begleitung bei Behördengängen bis hin zur Sicherung der medizinischen Versorgung reichen die möglichen Maßnahmen. Dazu gehören auch die Förderung von Interessen, das Vermitteln von Freizeitmöglichkeiten und die Unterstützung beim Stärken eigener Fähigkeiten.

Hier bietet sich die Kreativ-Gruppe unter Leitung der Kunsttherapeutin Sabine Gerhard an, die sich immer mittwochs zwischen 10 und 12 Uhr im Suchthilfezentrum trifft. Die regelmäßige Teilnahme strukturiert den Tag. Genau dies unterstreicht auch Damir (46), der schon sieben Wochen am künstlerischen Schaffen teilnimmt und am liebsten mit Speckstein arbeitet. „Ich war es einfach leid, den ganzen Tag in der Bude herumzuhängen, nur weil ich momentan keine Arbeitsstelle habe. Da gehe ich doch lieber meinen Interessen nach“, sagt er. Suchtberatung, der Umgang mit Krisen und die Unterstützung bei praktischen Angelegenheiten des Alltags sind ebenfalls inbegriffen. Welche Möglichkeiten des Wohnens werden angeboten?

Das Betreute Einzelwohnen richtet sich an Abhängige, die abstinent leben möchten. Regelmäßige Hausbesuche des Teams in der eigenen Wohnung oder Termine im Büro helfen dazu, diesen Vorsatz zu festigen.

Die Betreute Wohngemeinschaft fördert einen abstinenten Alltag im geschützten Umfeld, wobei gerade der enge Rahmen hilfreiche Unterstützung bieten kann.

Betreutes Einzelwohnen ist aber auch für medikamentös eingestellte Menschen möglich. Die Fachkräfte unterstützen mit ihrer Begleitung den Wunsch, das Verlangen nach dem jeweiligen Suchtmittel gering zu halten.

Schwer Suchtkranke lässt man ebenfalls nicht außen vor. Die passende Betreuung bei körperlichen, seelischen oder sozialen Handicaps wird in der eigenen Wohnung mittels ambulanter Besuche gewährleistet.

Übrigens steht dieses Angebot auch dann, wenn eine Abstinenz nicht das sofortige Ziel ist oder wenn man den Konsum von Suchtmitteln fortführen will. Denn Hilfe braucht keine Rechtfertigung. Beraten lassen kann sich jeder, der mindestens 18 Jahre alt ist, seinen Wohnsitz im Odenwaldkreis hat, abhängig von Suchtmitteln ist und freiwillig an den Angeboten teilnimmt. Die Bereitschaft zum Mitarbeiten an einer Verbesserung der eigenen Befindlichkeit wird vorausgesetzt. Wichtig: Unterhalb einer gewissen Einkommensgrenze werden die Kosten vom Landeswohlfahrtsverband Hessen getragen.