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Rotes Kreuz zeigt dem Glücksspiel die rote Karte

Sind die Würfel gefallen?

Der Rubel rollt, nicht nur im Roulette. Überall da, wo der Zufall den Zugewinn an Geld bestimmt, lauert die Gefahr der Sucht. Das ist ein gewolltes Prinzip. Schaut man genau hin, lässt sich nichts durch Intelligenz, Geschick oder Erfahrung beeinflussen. Den Hauptgewinn sahnt immer der Anbieter ab. Auch wenn der Schein trügt. Sogar bei Sportwetten und beim Poker, bei der Automaten-Lotterie sowieso.

Glücksspiele können abhängig machen. Die Schlinge zieht sich zu. Anfangs unbemerkt. Vom Verlust von Eigentum, über das Zerbrechen von Beziehungen bis hin zum Verlieren des eigenen Gesichts reicht die Spirale. „Wird einem Spielsüchtigen sein Medium genommen, können im Extremfall Zittern und Schweißausbrüche auftreten, genau wie bei Alkoholentzug oder anderen stoffgebundenen Süchten“, weiß Sozialarbeiter Horst Weigel, der sich beim Roten Kreuz mit der Suchtprävention befasst.

„Zudem ist Glücksspiel in Deutschland erst ab 18 Jahren erlaubt. Dazu zählen auch die vermeintlich harmlosen Rubbellose.“ Eine besondere Gefahr sieht der Fachmann bei den Online-Glücksspielen, denn da sei die Umgehung der Altersbeschränkungen besonders leicht. Zudem sind die Folgewirkungen bei drohender Abhängigkeit ähnlich derer wie bei legalen und illegalen Substanzen. Psyche, Seele und soziales Umfeld leiden, auch wenn der Körper ohne Schaden bleibt. Der Kopf sei das Problem, sagt Horst Weigel.

„Hauptsache mein Kind nimmt keine Drogen!“ Diesen Satz höre man oft, verkenne dabei jedoch die eigentlichen Gefahren. Denn sind die Würfel erstmal gefallen, wird es schwer. Daher sei genaues Hinsehen eine Möglichkeit der innerfamiliären Vorbeugung. Mache man die Rechnung auf, ließen sich zirka 400.000 Spieler in Deutschland diagnostizieren. Beratung und Therapie eingeschlossen. Dies seien in etwa zweieinhalbmal so viel Betroffene wie die Abhängigen von Heroin, Kokain oder Ecstasy zusammen.

„Der Spielsucht verfallen hauptsächlich Männer, wobei man Frauen natürlich nicht ausklammern darf. Die Glücksspielbranche ernährt sich vom latenten Suchtverhalten ihrer Kunden. Und das nicht schlecht. Man lebt von den Behandlungsbedürftigen, denn sie sind wehrlose Opfer der Geschäftspraktiken.“

Satte Umsätze werden generiert. Denn noch immer umspiele das Spielen um Geld fatalerweise der Nimbus der Harmlosigkeit. Das wissen die Anbieter und nutzen dies schamlos aus. Innerhalb der Menschen mit Suchtproblemen ist die Zahl der Selbstmorde hier am höchsten. 

Gibt es den klassischen Einstieg? „Nicht unbedingt, aber die Gefahr der Wiederholung und der Sucht beginnt tatsächlich beim ersten großen Gewinn. Das will man wiederhaben. Dies muss nochmal möglich sein. Sowas törnt junge Leute an“, erläutert der Mann von der Prävention. So förderte eine viel beachtete Studie zu Tage, dass über die Hälfte aller befragten Jugendlichen schon verbotenerweise um Geld gespielt hatten. Monatliche Einsätze von 100 Euro waren dabei keine Seltenheit. Tendenz steigend. Daher bemüht sich die Suchtprävention des Roten Kreuzes vermehrt um Aufmerksamkeit für dieses Thema. Und wenn Eltern erkennen, dass sich das Kind bereits im Hamsterrad befindet oder kurz davor sitzt? Bevor die Würfel endgültig gefallen sind, sollte man eine Beratung aufsuchen.

„Es besteht ein glasklarer Handlungsbedarf zum Schutz der Jugend“, sagt Fachberaterin Ilona Sabisch. Gibt es Warnsignale? „Wenn man nicht mehr damit aufhören kann, wenn man ständig ans Glücksspiel denkt oder auch, wenn man mehr Geld verspielt als man hat“, legt Weigel dar. Die Beratung führt Sabisch von der Suchtberatungsstelle PRISMA für das DRK durch und konstatiert: „Für Menschen mit problematischem Verhalten im Glücksspiel ist die aktuelle Lage in Zeiten von Corona durch die nur begrenzt geöffneten Lokale aber auch eine Chance, den Teufelskreis zu verlassen und auszusteigen. Wir unterstützen dabei.“   

Erste Hilfe findet man auf den Seiten www.spielen-mit-verantwortung.de und www.check-dein-spiel.de im Internet.

Ausführliche Informationen bietet die Fachberatung für Glücksspielsucht der Suchtberatung PRISMA im Suchthilfezentrum des Roten Kreuzes an der Bahnstraße 43 in Erbach.

Kontakt: Ilona Sabisch, Tel. 0152 / 591 865 54 und der Email: ilona.sabisch@suchtberatung-prisma.de