Motorisierte Spende rollt auf dem Landweg nach Afrika

Werkstattleiter Rainer Miksch vom Roten Kreuz begleitet Polizeiorganisation nach Gambia

Wenn 25 Feuerwehr – und Rettungswagen mit rund 70 Personen die etwa 5300 Kilometer lange Strecke von Deutschland nach Gambia in Westafrika über die Landroute bewältigen wollen, ist die ausführende Organisation froh darüber, auf einen Kraftfahrzeugmechaniker und Rettungsassistenten im Team vertrauen zu können. Dieser heißt Rainer Miksch (56) und arbeitet als Werkstattleiter beim Deutschen Roten Kreuz im Odenwaldkreis. 

Kennengelernt hat ihn die baden-württembergische Sektion der fast weltweit agierenden International Police Association (IPA), als das DRK der als Wohltätigkeitsverband der Polizei zu verstehenden Vereinigung kürzlich einen Rettungswagen für die Ukraine und zwei für das bitterarme Gambia gespendet hatte. 

Ausbauspezialist für Off-Road-Automobile

Für die Reisen in diese fernen Länder hat Miksch, der nebenberuflich auch als Ausbauspezialist für Off-Road-Automobile tätig ist, die Wagen technisch durchgesehen und für die langen Fahrten fitgemacht. Die sorgfältig ausgeführten Arbeiten haben IPA-Landesleiter Julian Scholz und Oliver Hoffmann, den deutschen Präsidenten der Vereinigung, von den Fähigkeiten des versierten Mechanikers aus dem Odenwald überzeugt. 

„Somit war die Einladung als technischer Reisebegleiter ausgesprochen und mein Chef hat die Reise genehmigt. Natürlich auch aufgrund unserer beiden mitgeführten Rettungswagen, auf deren Wohlergehen ich ein besonderes Auge haben werde“, sagt Rainer Miksch, der für das Unterfangen einen Teil seines Jahresurlaubs opfert und die notwendigen Impfungen bereits fertig durchlaufen hat. 

Kraftfahrzeug-Erfahrung in der Wüste konnte er bereits in den Wahiba Sands im Oman sammeln. Jetzt stehen die Pisten der Sahara an. Die karitative Karawane besteht aus belgischen, britischen, spanischen und deutschen Polizisten sowie dem externen Mechaniker vom Roten Kreuz. 

Ein Herz für die humanitäre Idee

An der Sinnhaftigkeit der Mission hegen Rotkreuz-Vorstand Frank Sauer und der Odenwälder DRK-Präsident Georg Kaciala keine Zweifel, sie unterstützen von Herzen die humanitäre Idee. 

Gambia gilt als eines der ärmsten Länder der Welt und ist auf Fahrzeugspenden zum Aufbau einer Struktur seiner Hilfsdienste dringend angewiesen. Dreiviertel der ländlichen Bevölkerung leiden unter Armut und Hunger. Mehr als ein Viertel der Kinder unter fünf Jahren ist untergewichtig. Bodenschätze gibt es so gut wie keine, lediglich die Fischerei, etwas Landwirtschaft und ein bescheidener Individual-Tourismus können als Erwerbszweige angeführt werden. Gambia ist vom Senegal umschlossen mit einem schmalen Küstenstreifen am Atlantik. 

Verabschiedet wird die IPA-Delegation am Dienstag, dem 13. September, in München vom Schirmherrn der Aktion, dem bayerischen Innenminister Joachim Herrmann. Von dort startet dann auch der Tross am Folgetag in Richtung Afrika.  

Mit Tropenhelm und Klappspaten

Dem Mechaniker Miksch vom Roten Kreuz hat sein Vorgesetzter Frank Sauer bereits eine gute Reise, einen reibungslosen Verlauf und eine gesunde Rückkehr gewünscht, indem er dem Kollegen symbolisch einen Tropenhelm und einen Klappspaten übereicht hat. „Der hoffentlich nie zum Einsatz kommen muss“, so der DRK-Vorstand. 

Der Streckenverlauf führt durch Frankreich nach Algeciras in Spanien, wo die Gruppe mit der Fähre über die Straße von Gibraltar nach Tanger in Marokko einreist. Über Casablanca geht es dann weiter Richtung Agadir nach Laayoune in Westsahara. Nach einem Stopp im kleinen Flecken Guerguarat erfolgt der Grenzübertritt nach Nouakchott in Mauretanien, von wo aus die Weiterfahrt nach Karanga in Senegal führt. Die Übernachtungen auf der Strecke finden in vorgebuchten Hotels und teilweise auf Feldbetten in zuvor gebauten Wagenburgen statt.  

Alle Grenzübertritte wurden angemeldet, damit das Passieren zügig verlaufen kann. Ziel ist Banjul, die Hauptstadt von Gambia. Das Eintreffen dort ist grob für Sonntag, den 25. September, eingeplant. Die Fahrzeuge werden am Tag darauf bei einer kleinen Feierlichkeit an namhafte Vertreter der Regierung übergeben. 

Bewaffnete Polizeieinheiten und Militär

Hat Rainer Miksch Bedenken? „Kaum, denn Gambia wird als sicher beschrieben. Auch für die anderen Länder liegen keine aktuellen Reisewarnungen vor. Zudem werden wir teilweise von bewaffneten Polizeieinheiten und Militär der jeweiligen Nationen eskortiert. Meine Gedanken sind eher bei geplatzten Reifen oder kochenden Kühlern. Die Briten haben Werkzeug an Bord, doch ich habe das Nötigste auch in unserem metrischen System eingepackt.“

Dokumentiert wird die Mission von der IPA per Videoaufnahmen, die zu Hause bearbeitet werden. Miksch hält über Smartphone Kontakt zum Roten Kreuz und wird regelmäßig anhand eines Tagebuches berichten. Diverse Medien haben ihr Interesse an dieser einmaligen Geschichte bekundet.

Bleibt die Frage, warum die IPA den Landweg und nicht den bequemeren Schiffstransfer gewählt hat? „Diese Art der Überführung wäre wesentlich teurer gekommen. Zudem wurde das Projekt von den Teilnehmern organisiert. Auch hat jeder Fahrer von uns eifrig Spenden gesammelt, um Fahrzeuge ankaufen zu können. So spricht schon diese Vorleistung für eine persönliche Begleitung auf dem Landweg“, erklärt IPA-Landesleiter Julian Scholz.