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„Entkriminalisierung öffnet neue Möglichkeiten für Prävention und Begleitung“

Suchthilfe des Roten Kreuzes positioniert sich zur rechtlichen Einstufung von Cannabis

„Am besten gar nicht. Aber wenn, dann nur unter genau umrissenen Voraussetzungen“, rät Sozialarbeiter und Präventionsfachberater Horst Weigel in einem Papier, in dem das Suchthilfezentrum des Roten Kreuzes zum Konsum von Cannabis Stellung bezieht. Denn die Droge kann nicht nur deren Nutzer schädigen, sondern auch Angehörige und Unbeteiligte. Vor allem, wenn es durch unsachgemäße Handhabung zu Konflikten oder Unfällen kommt.

Daher wird von deren Gebrauch vor allem als Teilnehmer im Straßenverkehr oder im Job dringend abgeraten. Daher sind die Umstände des Konsums nicht zu vernachlässigen. Menschen, die kein Cannabis konsumieren, unterstützt die Präventionsstelle in ihrem ablehnenden Verhalten. Doch Cannabis ist eine weitverbreitete Droge und gilt als weitgehend harmlos.

Besonders Kinder und Jugendliche sind gefährdet

Dass dies nicht so ist, belegt die Tatsache, dass die Gefahr psychische Abhängigkeiten, bis hin Psychosen zu entwickeln, eng mit dem Alter zusammenhängt. Kinder und Jugendliche sind besonders gefährdet und bedürfen einer gesteigerten Aufmerksamkeit. Deswegen setzt die Fachstelle auf einen möglichst späten und reflektierten Beginn mit im idealen Sinne aufgeklärtem Geist.

Führt der Konsum zu Problemen gleich welcher Art, wird Hilfe angeboten, um Folgeschäden zu vermeiden. „Dies trifft auf alle Konsumierenden zu, die sich mit ihrem Verhalten auseinandersetzen möchten. Diese Menschen bekommen von uns uneingeschränkten Zugang zu Beratung und Behandlung sowie Tipps zur Rehabilitation oder Nachsorge auf Basis des aktuellen wissenschaftlichen Standes“, erläutert Suchtberaterin Zorica Fritsch.

Entkriminalisierung der Konsumenten

„Auch beim Besitz kleinster Mengen haben Betroffene oft mit weitreichenden rechtlichen Folgen zu kämpfen“, weiß Janosch Müller, Bereichsleiter der Suchthilfe. „Der Verlust des Führerscheins und damit verbundene Konsequenzen auf der Arbeitsstelle können zu einer Stigmatisierung führen.“ Schwierigkeiten im gesellschaftlichen Leben seien dann quasi vorprogrammiert.

Deswegen spricht Müller von einer Entkriminalisierung der Konsumenten, um eine zielführende Diskussion über angemessene Grenzwerte, unbelastete Prävention sowie eine barrierefreie Beratung führen zu können. Dass diese Entkriminalisierung einen anfänglich erhöhten Konsum bei Jugendlichen hervorrufen kann, sei natürlich denkbar. Daher müsse die Umsetzung mit intensiven Aktivitäten der Suchtvorbeugung einhergehen und Informationen zu den Gefahren breit gestreut werden. „Die Frage nach einer Legalisierung ist eine Diskussion, die auch die Veränderung der Droge bezüglich ihres THC-Gehaltes und Verunreinigungen durch gesundheitsgefährdende Mittel berücksichtigen muss. Die Hoffnung auf ein uneingeschränktes Rauscherlebnis birgt daher viele Risiken.“

Wäre die streng kontrollierte Abgabe über staatlich lizensierte Stellen eine Lösung? „Keine einfache Frage, dies bedarf einer einfühlsamen Ausgestaltung und eines vorurteilsfreien Herangehens an die Sache. Zumindest schwebte dann nicht so oft das Gesetzbuch über den Köpfen der Konsumierenden. Wie bei Alkohol, wären auch bei Cannabis angemessene Grenzwerte im Straßenverkehr ein Fortschritt“, merkt Fritsch an.

Risikoarmer Umgang und Wissen über die Gefahren

Wer sich zum Thema informieren möchte, findet im DRK-Suchthilfezentrum seine kompetenten Ansprechpartner. Auch bieten bei Bedarf die Selbsthilfegruppen jederzeit ihre Unterstützung an. Fakt ist, dass Cannabis schon immer in der Welt war und dort auch bleiben wird. Ein möglichst risikoarmer Umgang mit dem Naturprodukt, verbunden mit dem Wissen über seine Gefahren, ist das Ziel der Fachkräfte beim Roten Kreuz. Die Positionierung des Suchthilfezentrums findet man auch im Jahresbericht 2019. Dieser kann unter www.suchthilfe.drk-odenwaldkreis.de abgerufen oder in Papierform angefordert werden.

„Die Suchthilfe ist eines der vielen Angebote im breiten Spektrum unserer Arbeit. Natürlich verschließen auch wir hiervor weder Augen noch Ohren. Suchthilfe ist Teil unserer Aufgabe. Und dass wir bemüht sind, den Menschen in ihrer Not ohne Ansehen der Person zu helfen, steht schon in unseren Grundsätzen festgeschrieben. Daher sind modernes und unvoreingenommenes Denken und Handeln gefragt. Ich unterstütze deshalb die Arbeit unserer Suchthilfe mit voller Überzeugung und aus ganzem Herzen“, sagt Georg Kaciala, Vorsitzender des Roten Kreuzes im Odenwaldkreis, abschließend.

Kontakt

Ausführliche Informationen zu den Angeboten der Suchthilfe im DRK Kreisverband Odenwaldkreis finden Sie unter www.suchthilfe.drk-odenwaldkreis.de.

Janosch Müller
Suchthilfezentrum des DRK-Kreisverbandes Odenwaldkreis
Bahnstraße 43
64711 Erbach
   06062 60770
janosch.mueller@drk-odenwaldkreis.de