Ehrenamt im Aufwind

Rotes Kreuz kann in der Pandemie auf seine Freiwilligen aus den Bereitschaften zählen

Spricht man von Gewinnern in der Pandemie, hat dies meist einen faden Beigeschmack. Man denkt an boomende Online-Versandhäuser oder redet von den klingelnden Kassen politischer Profiteure durch die Vermittlung von Masken. Jenseits dieser Erscheinungen jedoch wächst eine gesellschaftliche Gruppe, welche durch die vorgegebenen Einschränkungen in dieser prekären Lage in letzter Zeit eher wenig von sich reden gemacht hatte. Gemeint ist das Gros der ehrenamtlichen Rotkreuz-Bereitschaften, die in ihren Ortsverbänden organisiert sind und das eigentliche Rückgrat der zahlreichen Kinder jenes Henry Dunant bilden, der 1863 die Hilfsorganisation gegründet hat.

„Durch die Nähe zum Bürger sind die Ortsvereine eine unverzichtbare Größe und elementarer Bestandteil unsrer Organisation. Ohne deren Einsatz könnten wir in der jetzigen Krise niemals so schnell reagieren“, sagt Vorstand Frank Sauer.

Dabei ist das Interesse an freiwilliger Arbeit in der Gesellschaft bekanntlich in den Hintergrund getreten. Besonders betroffen sind traditionelle Vereine. Beim DRK ist dies manchmal nicht anders. Die Erscheinung ist somit keine Seltenheit. Den Verlockungen der neuen Medien und einem Mangel an frischen Ideen oder dem Zeitgeist wurde die Schuld gegeben.

Passiver Corona-Schlaf

Durch Einschränkungen der Corona-Pandemie waren die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer des Roten Kreuzes jedoch zwangsweise damit beschäftigt, sich einsatzbereit zu halten, sich in Online-Fortbildungen zu treffen und bestenfalls technisches Gerät zu warten. Die gesellschaftliche Nähe durch Sanitäts- und Betreuungseinsätze bei Großveranstaltungen war aus bekannten Gründen nicht mehr gegeben. Nur ein kleiner Kreis aus spezialisiert ausgebildeten Mitgliedern hatte ein stetiges Aufgabenfeld und konnte aktiv zupacken. So fanden sich viele Ehrenamtliche im Roten Kreuz in einem passiven Corona-Schlaf wieder. Die Anreize ließen nach, der Wille nach aktivem Helfen im richtigen Leben scheiterte oft auf dem Trockendock.

Doch nun tut sich was in vielen Ortsvereinen des Odenwaldkreises. Das Fristen als Mauerblümchen im Schattendasein des großen Wohlfahrtsverbandes hat ein Ende. Denn der Kreisverband hat für die ehrenamtlich Tätigen Türen geöffnet, durch welche sie jetzt hoch motiviert gehen. Grund dafür ist eben die derzeitige Corona-Pandemie. Man benötigt erfahrene und Kräfte mit fundamental medizinischem Wissen in den Impfzentren und ebenso bei den Schnelltests auf das gefährliche Virus. Doch nicht nur dies, auch Empathie und Durchhaltevermögen sind gesuchte Eigenschaften. Es braucht Menschen, die mit Herzblut aktiv für ihre Mitmenschen einstehen. Diese finden sich in den Rotkreuz-Bereitschaften.

Pandemie belebt das Ehrenamt

Nach der Arbeit oder an den Wochenenden werden die Helferinnen und Helfer tätig und unterstützen, wo sie können. So widersinnig es klingen mag: Die Pandemie hat das Ehrenamt erfolgreich wiederbelebt. Im Zeichen der Menschlichkeit und mit hehrem Hintergrund. Denn jetzt zeigt sich die Sinnhaftigkeit einer aktiven Mitgliedschaft im Ehrenamt beim Roten Kreuz. Selbstlosigkeit ist das Credo jeglichen Tuns in der Arbeit der Organisation. Anerkennung, Dankbarkeit und Lob sind der Lohn.

Einem bisweilen ziellosen Wandeln folgt nun konkretes Handeln. Das Ehrenamt im Roten Kreuz erfährt einen Relaunch, wie dies modern ausgedrückt heißt. Leerstellen sind wieder mit Inhalt gefüllt und geben dem karitativen Handeln einen Sinn. Auch sogenannte niederschwellige Angebote sind gesucht und werden dankbar angenommen. Oftmals genügt die hingestreckte Hand oder die starke Schulter, auf die man sich stützen kann. Spezialistentum ist nicht immer von Nöten.

Auch fachlich liegen zwischen dieser und der Aufnahme am Anfang des Beitrags Welten. Dieses Bild muss zwischen 1948 und 1956 entstanden sein, da nur in diesem Zeitraum das Kennzeichen AH (Amerikanisch Hessen) vergeben wurde. Wer Angaben zur Identität der beiden Sanitäter machen kann, meldet sich bitte unter der E-Mail: presse@drk-odenwaldkreis.de (Foto: Michael Lang)

Unentgeltliche Hilfe im Testzentrum und Impfzentrum

Weit über 100 Helferinnen und Helfer der Bereitschaften haben sich dazu entschlossen, sich ehrenamtlich und unentgeltlich in den Testzentren und im regionalen Impfzentrum zu engagieren. Unterstützt werden sie durch Kolleginnen und Kollegen, die ebenso ehrenamtlich den Rettungsdienst verstärken. Die Beteiligten fungieren nicht nur als Anwender bei den Abstrichen, sondern geben ihre erlernten Fähigkeiten auch als Multiplikatoren weiter. Hierdurch machen sie die wichtige Erfahrung, ernstgenommen und gebraucht zu werden.

„Miterleben zu können, in welch kurzer Zeit unsere Kräfte sich dieser Aufgabe angenommen haben, macht mich stolz!“

– Markus Hofmann, Kreisbereitschaftsleiter

„Unsere Helferinnen und Helfer waren sofort bereit, ihre unfreiwillige Zuschauerrolle in ein aktives Mitwirken gegen die Folgen von Corona zu tauschen. Miterleben zu können, in welch kurzer Zeit unsere Kräfte sich dieser Aufgabe angenommen haben, macht mich stolz“, merkt Markus Hofmann, Kreisbereitschaftsleiter der DRK-Bereitschaften im Odenwaldkreis, an. „Fast in allen Ortschaften wurden Angebote auf die Beine gestellt. Besonders bei den Schnelltests auf Corona haben wir uns eingebracht, aber auch im regionalen Impfzentrum“, weiß der erfahrene Ehrenamtliche, der das Metier von der Pieke auf kennt und schließt: „Wir machen einen professionellen Job und werden mit einem Gemeinschaftsgefühl belohnt, das schon über ein Jahr lang nicht mehr zu spüren war.“

Fazit: Die Trockenübungen der DRK-Bereitschaften haben ein Ende. Nun wird geschwommen. Freiwillig und unentgeltlich. Durch die Pandemie wurde das Ehrenamt aufgewertet. Denn das Gebrauchtwerden erzeugt neuen Schub und bläst eine belebende Frische in eine unverschuldet in letzter Zeit etwas bräsige Truppe. Diese trägt jetzt ein Aufwind, der hoffentlich keine Flaute mehr scheuen muss – auch wenn sich Corona verabschiedet hat. Die Lunte des Ehrenamts ist wieder angezündet und glimmt in Erwartung neuer Aufgaben.

Interesse geweckt?

Informieren Sie sich über das Ehrenamt beim DRK Odenwaldkreis.

Ihre Ansprechpartnerin fürs Ehrenamt

Claudia Zellmann
Claudia Zellmann
06062 607-48
claudia.zellmann@drk-odenwaldkreis.de

Oder Fördermitglied werden und sich einbringen!

Sie möchten persönlich etwas tun, haben aber keine Zeit? Dann unterstützen Sie uns doch mit Ihrer Fördermitgliedschaft! Mit jedem kleinen finanziellen Betrag helfen Sie uns bei der Bewältigung unserer Aufgaben. Sie müssen nur das Mitglieds-Formular ausfüllen und an uns senden. So können Sie aktiv sein, ohne dass dies Ihre knappe Zeit beansprucht. Vielen Dank für Ihre Hilfe!

Ihre Ansprechpartnerin bei Fragen zur Mitgliedschaft beim DRK

Ellen Löb
Ellen Löb
06062 – 607-37 (7.30 Uhr-12.30 Uhr)
ellen.loeb@drk-odenwaldkreis.de