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DRK-Spitze setzt auf Kräftigung

Geschäftsführer Holger Wießmann und Vorsitzender Georg Kaciala geben sich überzeugt von Verschmelzungsidee

Das Rote Kreuz für den Odenwaldkreis und der benachbarte Verband für den Altkreis Dieburg könnten in absehbarer Zeit gemeinsame Sache machen. Wie berichtet, gibt es von Spitzenvertretern beider Organisationen eine Absichtserklärung in Richtung Verschmelzung („Rotkreuz-Helfer rücken zusammen“, Lokalteil Darmstadt-Dieburg der Ausgabe vom 3. April). Zu den Überlegungen haben dem ECHO nun für den DRK-Kreisverband Vorsitzender Kaciala und Geschäftsführer Holger Wießmann Rede und Antwort gestanden.

Durchweg positiv bewerten Geschäftsführer Holger Wießmann (links) und Vorsitzender Georg Kaciala die angestoßene Verschmelzung ihres Rotkreuz-Kreisverbandes für den Odenwaldkreis mit der Nachbar-Organisation im Altkreis Dieburg. Bericht: Odenwälder Echo, Foto: Guido Schiek

Herr Kaciala, Herr Wießmann, die Verschmelzung von Unternehmen wird in der Öffentlichkeit nicht erst seit den gescheiterten Bemühungen zweier deutscher Großbanken kritisch betrachtet. Was treibt das Rote Kreuz zu solch einem Schritt an?

Wießmann: Wir prüfen das Zusammengehen mit dem Kreisverband Dieburg deshalb, weil hier genau die Voraussetzungen für die Sinnhaftigkeit eines gemeinsamen Vorgehens erfüllt sind, die im angesprochenen Bankenbeispiel offenkundig nicht gegeben waren. Denn unsere beiden Kreisverbände sind so unterschiedlich, dass mit der Kooperation fast automatisch Synergieeffekte und neue Geschäftsfelder entstehen.

Was konkret macht diese Unterschiedlichkeit aus?

Kaciala: Der Kreisverband Odenwaldkreis hat sich in den vergangenen Jahren mehr und mehr zu einem vielgestaltigen Hilfeleistungsunternehmen entwickelt, das vom Rettungs- bis zum Freiwilligen-Dienst fast jeden gesundheitsbedingten Bedarf nach Unterstützung abdeckt. Damit sind wir in der Öffentlichkeit so präsent, dass wir in der Bevölkerung großen Rückhalt genießen. Die Freunde im Altkreis Dieburg hingegen haben sich auf die klassische Vereinstätigkeit des Roten Kreuzes konzentriert, was offenbar auf Dauer eine verminderte Wahrnehmung in der Öffentlichkeit zur Folge hatte, die nun die Substanz angreift.

Und da soll es helfen, wenn – worauf die Überlegungen hinauslaufen – die Zentraldienste ganz an das DRK für den Odenwaldkreis in Erbach abgegeben werden?

Wießmann: Ja, und zwar genau deshalb, weil wir unseren Nachbarn so die Verstärkung ihres öffentlichen Auftritts ermöglichen. Denn die Dieburger Geschäftsstelle wird ja erhalten bleiben und dank des gemeinsamen Potenzials sogar eine Stärkung erfahren. Aber sie wird sich nicht mehr mit Verwaltungs- oder Buchhaltungsaufgaben herumschlagen müssen, die sie ohnehin nur noch schwer stemmen konnte.

Die Nutzung solcher Synergieeffekte hat ihren Sinn doch normalerweise in der Einsparung von Arbeitskräften. Müssen sich da die Rotkreuzmitarbeiter in Erbach und Dieburg keine Sorgen machen?

Kaciala: Das kann ich guten Gewissens mit NEIN beantworten – und das aus gleich drei Gründen. Erstens ist der DRK-Kreisverband Dieburg auf einen so kleinen Mitarbeiterstab angewiesen, dass er bestimmte Aufgaben bisher ohnehin fremdvergeben musste. Wenn wir die nun zum Rotkreuz-Kreisverband zurückholen, sichert das unsere Arbeit. Zweitens werden viele DRK-Leistungen, wie wir sie im Odenwaldkreis kennen, in der Nachbarregion nicht oder von konkurrierenden Organisationen angeboten. Etablieren wir die Rotkreuzdienste auch dort, brauchen wird sogar entsprechend mehr Arbeitskraft. Und drittens stärkt all dies das System Rotes Kreuz, das damit in der Konkurrenz der Hilfeorganisationen besser bestehenn kann.

Befürchten Sie da keine Reibereien mit den seitherigen Leistungserbringern des Dieburger Roten Kreuzes?

Kaciala: Solche Konflikte lassen sich zwar nie völlig ausschließen, doch hält sich das Risiko dank der Prinzipien der Rotkreuz-Vereinigungen in Grenzen. So gilt im DRK der Grundsatz, dass dessen Gliederungen nicht miteinander in Konkurrenz treten. Kann unser gemeinsamer Kreisverband also eine Aufgabe verrichten, dann haben andere Rotkreuz-Organisationen im Sinne dieses Territorialprinzips zurückzustehen.

Was bedeutet das für ein so bedeutendes Aufgabenfeld wie den Rettungsdienst, der ja im Odenwaldkreis ganz im Zeichen des Roten Kreuzes steht?

Wießmann: Hier würde sich nichts verändern. Der neue DRK-Kreisverband bliebe selbständiger Erbringer der Rettungsdienstleistungen für den Odenwaldkreis, die analoge Aufgabe im Altkreis Dieburg würde bei der ebenfalls vom Roten Kreuz getragenen Starkenburg-Gruppe belassen. Im Übrigen bietet sich eine enge Zusammenarbeit an, wenn es etwa um die Ausbildung von Notfall- und Rettungssanitätern geht, die wir überall dringend brauchen.

Insgesamt läuft die Rotkreuz-Entwicklung auf größere Einheiten hinaus. Könnte das nicht die wichtigen lokalen Rotkreuz-Ehrenamtlichen vom professionell geführten Kreisverband entfremden?

Kaciala: Zumindest wird das Risiko dafür nicht steigen. Denn mit den dann zwei Geschäftsstellen werden wir weiter nahe an den Ortsgruppen dran sein. Und wie die Geschichte des DRK-Odenwaldkreis zeigt, kommt ein gesunder Überbau auch den lokalen Gruppen zugute.

Sind Sie sicher, dass sich diese Einschätzung mit der Sicht von der Basis her deckt?

Wießmann: Seit der Bekanntgabe unserer Sondierungen habe ich noch keine wesentliche und begründete Negativreaktion bemerkt. Aber natürlich können wir in unserer Vereinskameraden nicht hineinschauen. Deshalb ist es uns wichtig, bis auf Weiteres nur von einer möglichen Verschmelzung zu sprechen. Ob wir sie tatsächlich vollziehen, hängt von einem breiten Einverständnis der gewählten Gremien ab. Der Kreisrat, der sich aus den Mitgliedern des Gesamtvorstandes und der Ortsvereinsvorsitzenden zusammensetzt, hat dem Eintritt in konkrete Vorbereitungen inzwischen zugestimmt. Nun werden wir genau hinschauen und dabei auch auf externe Kompetenz wie die eines Wirtschaftsprüfers zurückgreifen. Die Beschlussfassung soll dann bei der regulären Kreismitgliederversammlung 2019 erfolgen. Zuvor wird das Vorhaben nochmals ausführlich in einer außerordentlichen Tagung unserer Delegierten noch in diesem Jahr erörtert.

Das heißt, am 1. Januar 2020 haben der Odenwaldkreis und der Landkreis Darmstadt-Dieburg ein gemeinsames Rotes Kreuz?

Wießmann: Nein, als möglichen Verschmelzungstermin haben wir bewusst erst den 1. Januar 2021 gesetzt. Denn an dem gesamten Verfahren soll und muss nicht mit heißer Nadel gestrickt werden. Wichtig ist uns ein systematisches Vorgehen, das auch für unsere jeweiligen Partnerorganisationen Verlässlichkeit schafft.

Das Interview führte Gerhard Grünewald.

PERSONEN UND LEISTUNGEN

Holger Wießmann (62) ist seit 1998 hauptberuflicher Geschäftsführer des Roten Kreuzes für den Odenwaldkreis.

Georg Kaciala (70) wurde 2016 zum ehrenamtlichen Vorsitzenden des Kreisverbandes gewählt.

Das von ihm geführte DRK für den Odenwaldkreis stützt sich auf gut 10.000 Mitglieder, von denen die meisten fördernd tätig sind.

Mit aktiver Mitarbeit bringen sich über 17 Ortsvereine, immerhin mehr als 500 Ehrenamtliche, ein, 350 davon im Sanitätsdienst der Rotkreuz-Bereitschaften, Helfer-vor-Ort-Gruppen und Sonderstaffeln wie den Versorgungszügen und der schnellen Einsatzgruppe (SEG).

Als professioneller Dienstleister stellt das Rote Kreuz den Rettungsdienst- und Hausnotrufdienst sicher, kümmert sich um junge Leute im Freiwilligen Sozialen Jahr und leistet vieles mehr. Damit erreicht der Verband die Dimension eines mittleren Unternehmens mit 300 Mitarbeitern und 17 Milionen Euro Jahresumsatz.