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DRK-Rettungsassistent Matthias Runkwitz im Ruhestand

Sein Bariton konnte so manches Beruhigungsmittel ersetzen

„Hallo, Matthias Runkwitz. Gucken wir mal, was Ihnen fehlt?“ Im Notfall war für ihn selbstverständlich sofortiges Handeln angesagt. Sonst nahm er sich gerne die Zeit für ein überlegtes Durchschnaufen und einen herzlichen Händedruck. So hatte er sein Behandlungskonzept ausgerichtet. Wobei der tiefe Bariton ein Übriges tat, um den Patienten die Angst vor der ungewohnten Krankheitssituation erträglich zu machen.

Jetzt hat Matthias Runkwitz (64) den DRK-Kreisverband Odenwaldkreis verlassen und dem Rettungsdienst Adieu gesagt. Nach 31 Jahren genießt der leidenschaftliche Literaturfreund nun den Ruhestand. Seine gelebte Gelassenheit und Empathie werden viele Kolleginnen und Kollegen missen sowie Teile davon in ihren Arbeitsalltag aufnehmen.

Matthias Runkwitz hatte nach dem Abitur in Michelstadt eine Lehre als Schriftsetzer beim Darmstädter Echo begonnen, sich dann aber für die Laufbahn des Kriminalbeamten entschieden. Durch die gesellschaftlichen Ereignisse der späten 1970er Jahre und den daraus folgenden „Deutschen Herbst“ wurde der junge Mann politisiert, was er mit seiner Kündigung bei der Polizei quittierte.

Eine Ausbildung zum Rettungssanitärer in Gießen mit anschließenden Dienstverträgen beim DRK in Frankfurt und Erbach führten den späteren Rettungsassistenten zum Medizinstudium an der Frankfurter Goethe-Universität. „Dann begannen meine Lehr- und Wanderjahre“, schmunzelt Runkwitz und erzählt von seiner Tätigkeit als Reisebusfahrer, die den Studenten stets von der Uni weggelockt und in allerlei Länder geführt hatte.

„Schließlich habe ich mich dann für eine feste Stelle hier im Verband entschieden und dort auch mit Freude Wurzeln geschlagen.“ Nach seiner Verwendung auf allen Rettungswachen im Kreisgebiet und einer Weiterbildung zum Helfer für psychische Krisensituationen wurde die Rettungswache in Stockheim zu seiner festen Bleibe. Dort hat Runkwitz kürzlich auch seinen letzten Tagdienst absolviert. Was folgt? „Lesen natürlich und Reisen in ferne Länder. Nepal hat mich schon immer interessiert“, verrät der frisch gebackene Ruheständler. Von der stellvertretenden Kreisgeschäftsführerin Corinna Rüth gab es zum Abschied flüssige Herrlichkeiten in Holz, da Matthias Runkwitz auch Feinschmecker ist und guten Gerstensaft zu schätzen weiß.

Der Mann mit dem warmen Bariton geht, zurück bleibt seine Philosophie des Umgangs mit Patienten auf Augenhöhe. Dies war ihm stets gelungen, denn seine Fähigkeiten in der Gesprächsführung qualifizieren ihn zum einfühlsamen Partner bei Vertretern aller Gesellschaftsschichten. Gibt es ein Fazit? „Ich bin sehr gespannt, wohin sich der Rettungsdienst entwickelt. Manchmal scheint eine überbordende Technik die notwendige Empathie zu verdrängen. Aber ich bin guter Hoffnung, dass das wohlmeinende Wort im täglichen Umgang mit den Patienten nicht verstummen wird“, merkt Runkwitz etwas nachdenklich an.