„Die Impfzentren werden noch benötigt, wenn auch in abgespeckter Form“

Norbert Södler, Rotkreuz-Präsident des Landesverbandes Hessen, informiert sich vor Ort

Bildinformation: Oliver Keil, Projektleiter des DRK-Impfzentrums und die beiden Leiter der Einrichtung, Patrick Knirim und Manfred Leuthäußer, machen den hessischen DRK-Präsidenten Norbert Södler mit den Abläufen vertraut. (Foto: Michel Lang / DRK Odenwaldkreis)

ERBACH. „Man wird uns brauchen“, sagte Ulrich Herrmann, stellvertretender Kreisverbandsarzt beim Roten Kreuz im Odenwaldkreis und beratender Mediziner im lokalen Impfzentrum mit Nachdruck, als am vergangenen Dienstag Norbert Södler, Präsident des DRK Landesverbandes Hessen, die Einrichtung besucht hatte. Im Zuge seiner Rundreise zu den Verbänden im Bundesland hatte er es sich nicht nehmen lassen, auch dem äußersten Süden seine Aufwartung zu machen und aktuelle Informationen zum derzeitigen Sachstand einzuholen. 

Dass die vom Land angekündigte Schließung dieser Einrichtungen Hauptthema der Veranstaltung sein würde, hatte sich abgezeichnet. „Die Hausärzte allein werden die Arbeit nicht bewältigen können. Schon jetzt kommt das Personal nicht vom Telefon weg. Die eigentliche Aufgabe rückt in den Hintergrund, da die Tätigkeit des vorbeugenden Impfens den therapeutischen Auftrag dominiert. Manche niedergelassenen Ärzte haben sich schon ausgeklinkt“, diagnostizierte der frühere Internist Herrmann, der in Bad König mit Kollegen eine Gemeinschaftspraxis betrieben hatte. 

„Eine kleinere Einheit in Form einer Art Impfstation ist dann unerlässlich“, unterstrichen DRK-Vorstand Frank Sauer und Georg Kaciala, Präsident des Roten Kreuzes im Odenwaldkreis. „Und eine Antwort darauf benötigen wir dringend. Denn wenn die Türen zugehen, sind unsere Leute bereits weg und anderweitig gebunden. Ein abermaliges Hochfahren geht nicht.“, prognostizierte Kaciala. 

„Sie bringen mit ihrer Erfahrung und einem eingespielten Team ja auch wichtige Werte mit, die Private so gar nicht leisten können“, berichtete Södler und nannte Beispiele, wo man nach einem Scheitern umgehend wieder nach den Hilfsorganisationen gerufen habe. Er werde versuchen, diesbezüglich auf den Ministerpräsidenten einzuwirken. 

„Wir haben von Anfang an auf die Fähigkeiten des Roten Kreuzes gesetzt“, merkte Landrat Matiaske an. Schon während der Flüchtlingskrise hatte das Rote Kreuz mit dem Betrieb der Notaufnahmeeinrichtung seine Kompetenzen gezeigt.  

Anhand einer Führung durch eine Impfstraße schilderte DRK-Projektleiter Oliver Keil dem Präsidenten das Prozedere und verwies auf bürokratische Hürden, die doch öfters hinderlich seien. Auch betonte Keil, dass man kurz vor dem Termin die Impflinge telefonisch an ihre zweite Injektion erinnere und frage, ob sie das Serum wechseln möchten. „Damit bauen wir der Verwerfung von Impfstoff vor“, machte der Projektleiter deutlich.  

„Aktuell streben wir anhand ausgeklügelter Strategien an, den Impfstoff auch zu jenen Menschen zu bringen, die einen Besuch im Zentrum scheuen. Wir arbeiten mit Migrationsbeauftragten zusammen und bieten aufsuchende Impfungen in Vierteln an, die vorwiegend von ausländischen Mitbürgern bewohnt werden. Da kommt dann Johnson & Johnson zum Einsatz, denn mit einer Spritze ist der volle Schutz gegeben. Oftmals ist dabei aber Überzeugungsarbeit gefragt“, informierten Patrick Knirim und Manfred Leuthäußer, die beiden Einrichtungsleiter des Impfzentrums, den hessischen Rotkreuz-Präsidenten. 

Vorstand Frank Sauer lobte auf einer professionellen Ebene die unkomplizierte Zusammenarbeit mit Gesundheitsamt und Landratsamt. So kenne er den Odenwald, bemerkte Södler anerkennend. 

Nach dem Besuch im Impfzentrum folgte eine Stippvisite im unweiten Corona-Testzentrum, wo Projektleiter Stefan Beller den Gast aus Wiesbaden mit den Abläufen vertraut gemacht hatte.