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30 Jahre DRK-Selbsthilfe im Odenwaldkreis

Ein Name wurde an dem festlichen Nachmittag anlässlich des 30-jährigen Bestehens der DRK-Selbsthilfegruppen besonders oft genannt: „Friedel Weyrauch ist das Gesicht unserer Selbsthilfe!“ – darin waren sich alle Redner*innen einig. Die Angesprochene sah das selbst aber überhaupt nicht so! 

Den Nachmittag am 11. März 2020 im Alten Rathaus in Erbach eröffnete der Vorsitzende des DRK Kreisverbandes Odenwaldkreis, Georg Kaciala mit den Worten: „Einfühlendes Verstehen ist der erste Schritt hin zur Veränderung!“ Diese überaus wichtige Eigenschaft sei unerlässlich vor allem in der Selbsthilfe und er dankte gleich als einer der ersten der Leiterin des DRK-Selbsthilfezentrums in Erbach, Friedel Weyrauch, für ihr Engagement über all die Jahre hinweg.

„An erster Stelle steht die Entscheidung für das Leben, nicht gegen die Sucht!“

Norbert Södler

„An erster Stelle steht die Entscheidung für das Leben, nicht gegen die Sucht!“, gab der Präsident des DRK-Landesverbandes Hessen e.V, Norbert Södler, zu bedenken. Er verwies auf das komplexe und dennoch reibungslos ineinandergreifende Hilfesystem von Selbsthilfeangeboten, Suchthilfe und Betreutem Wohnen, wie es im DRK-Kreisverband Odenwaldkreis etabliert wurde.

Wolfgang Rosengarten, Leiter des Referates Prävention und Suchthilfe des Hessischen Ministeriums für Soziales und Integration erwähnte ebenso die wichtige Rolle der Selbsthilfe: „Sie ist die vierte Stütze in unserem Gesundheitssystem. Sie holt die Menschen dort ab, wo sie stehen!“ Doch wo stehen die Menschen eigentlich heute? Auch in der Selbsthilfe fehle es an „Nachwuchs“ in den Gruppen. Für jüngere Menschen müssen Angebote neu überdacht werden. Selbsthilfe dürfe den Mut haben, sich im Digitalen auszuprobieren, soziale Medien zu nutzen und digitale Formate für sich und die Betroffenen in Anspruch zu nehmen.

»Das Ehrenamt ist nicht mit Geld aufzuwiegen!«

Oliver Grobeis

Der Landrat des Odenwaldkreises, Frank Matiaske, wurde an dem Nachmittag vertreten von Oliver Grobeis, dem Ersten Kreisbeigeordneten des Odenwaldkreises. Grobeis hob den Geist des Ehrenamtes hervor: Das seien Ressourcen, die könne ein Landkreis finanziell alleine gar nicht stemmen, hier könne man im besten Falle unterstützend tätig werden. „Das Ehrenamt ist nicht mit Geld aufzuwiegen!“

Dr. Peter Traub, Bürgermeister der Kreisstadt Erbach, schilderte, dass er in seiner Funktion oft mit Menschen zu tun habe, die „im Konjunktiv“ zu Hause sind: „Man müsste mal …, da sollte jemand …“ Umso mehr schätze er an am Konzept – und somit an allen Teilnehmer*innen der DRK-Selbsthilfegruppen –, dass hier tatsächlich etwas gemacht wird. 

Heute gab es Blumen statt Fördergelder. Susanne Strombach (li) von der AOK Hessen unterstützt zahlreiche Projekte der DRK-Selbsthilfegruppen im Odenwaldkreis.

Sie sei in einer sehr glücklichen Lage, schilderte Susanne Strombach von der AOK Hessen, Bereich Unternehmenspolitik/-kommunikation, Selbsthilfe und Patientenzusammenarbeit ihre Situation. Während ihre Kolleg*innen Geld reinbekommen müssen, dürfe sie es ausgeben. 2 Millionen Euro stehen ihr zur Verfügung, die hessenweit genutzt werden, um beispielsweise Projekte wie die der DRK-Selbsthilfegruppen im Odenwaldkreis zu ermöglichen: Film-Events zum Thema Depression, das Angebot zur „Jungen Selbsthilfe“ und – mit Blick auf den kommenden Herbst – die bevorstehende Veranstaltung mit Anselm Grün, auf die sich sich bereits jetzt sehr freue.

Ein Begleiter der ersten Stunde der Odenwälder DRK-Selbsthilfegruppen war Horst Schnur, Landrat des Odenwaldkreises a.D. Er erinnerte sich an die Situation 1986, in der viele der heutigen Angebote noch längst nicht selbstverständlich waren. Da galt es vom DRK viel Pionierarbeit zu leisten, auf die man heute zurückblicken könne.

Zahlreiche Glückwünsche gab es im Alten Rathaus in Erbach auch aus dem Publikum für die ersten 30 Jahre der DRK-Selbsthilfegruppen. Redner Peter Battenberg erinnerte an Gründungsmomente.

Peter Battenberg, heute Geschäftsführer der Volunta gGmbH im DRK Hessen, war vor 30 Jahren Leiter der DRK-Jugend- und Drogenberatungsstelle und hat Friedel Weyrauch – damals Verwaltungsangestellte in seiner Abteilung – dazu angeregt, für das DRK ein Selbsthilfeangebot ins Leben zu rufen. Denn professionelle Hilfsangebote haben Grenzen – tatsächlich sind es vor allem die Selbsthilfeangebote, die die Bereitschaft vermitteln, sich selbst zu ändern und Hilfe anzunehmen. Nach den ersten losen Treffen der bundesweiten DRK Selbsthilfegruppen entstand die Idee, hier Strukturen zu schaffen. Seitdem hat Friedel Weyrauch die Rollen als DRK-Landessprecherin (Hessen) sowie Bundessprecherin der DRK-Selbsthilfegruppen inne.

„Die Selbsthilfegruppen existieren unabhängig von einer Person!“

Friedel Weyrauch

Zu guter Letzt kam die in jedem Redebeitrag geehrte Friedel Weyrauch dann auch selbst zu Wort: „Ich kann meinen Namen heut schon gar nicht mehr hören!“, gestand sie dem Publikum. Und nutzte die Gelegenheit, den Fokus von ihrer Person abzuwenden hin zu den Teilnehmer*innen der vielen Gruppen. „Die Selbsthilfegruppen existieren unabhängig von einer Person!“ Es sei ihr eine Lehre gewesen, als sich die erste von ihr gegründete Selbsthilfegruppe in Reichelsheim damals auflöste, nachdem sie sich dort zugunsten der Erbacher Gruppenaktivitäten zurückgezogen hatte. „So etwas passiert mir nicht nochmal!“, schwor sie sich. Auch wenn sie viele der Gruppen noch aktiv begleite, gebe es immer zwei Gruppensprecher*innen, die die Organisation und Beständigkeit einer Gruppe garantierten.

Sie selbst sieht übrigens ebenfalls die Herausforderungen, die auf die Selbsthilfe zukommen. Der Mut, über die altbekannten Gruppenformate auch digitale Angebote zu schaffen, der sei durchaus vorhanden und hier experimentiere man auch fleißig mit einem Online-Forum oder Aktivitäten in sozialen Netzwerken. Allerdings müssten dementsprechend dann auch Fördermöglichkeiten angepasst werden: Die Fördervoraussetzung „eine Gruppe sind sechs Personen“ habe keine Relevanz mehr, wenn sich Menschen durch das Internet von Zeit und Ort unabhängig in Selbsthilfeformaten austauschen.

Festhalten lässt sich jedenfalls: Die Selbsthilfe im Odenwaldkreis ist gut aufgestellt und bereit, auch die nächsten dreißig Jahre für Hilfesuchende ein verlässliches Angebot zu schaffen.